FotoTheorie

Reporter - Reportage
Lettre International - Herbst 2003

von
Frank Berberich

Reporter erstatten Bericht. Sie durchqueren Kulturen, soziale Milieus, Kriegsschauplätze. Sie wirken als Detektive der Fremde. Sie erzählen von Schöpfung und Zerstörung, Fanatismus und Kalkül, von der Härte und von der Schönheit des Lebens. Ihre Leidenschaft gilt der Wirklichkeit. Manchmal resultieren ihre Neugier, ihr Mut, ihr Wahrnehmungstalent und ihr Sprechvermögen in grossartigen Texten, die unser Weltverständnis bereichern.

Reporter leben vom Willen zum Wissen und dem Wunsch, etwas zu bezeugen. Ihnen geht es um den Stand der Dinge. Ihr Ideal ist es, mit offenen Augen zu leben. Sie sprechen von realen Personen, realen Ereignissen an wirklichen Orten in wirklichen Zeiten. Ihr Ethos verbietet es, Erfundenes mit Erlebtem zu vertauschen. Ihre Helden sind Menschen im Alltag und Drama des Lebens.

Reportage berichtet über Existenz nicht im pathetischen Sinne. Sie entwirft keine literarischen Idealtypen. Sie zieht den imaginären Horizonten die unreinen Landschaften vor. Das Scheitern, das Leiden und die Krisen sind hier nicht immer durch Sinn veredelt. Sie beschreibt Geschichte im Werden, aber auch Geschichte in der Implosion. In ihren Zeilen spürt man die Kälte der Macht, die Bedenkenlosigkeit der Gier, die Angst der Traumatisierten. Man hört von Scheitern, Flucht, Lüge, Verrat, aufgegebener Hoffnung.

Die Reportage lässt uns ahnen, wie und mit wem wir diesen Planeten bewohnen.