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FotoTheorie
Warum die Mainstreammedien "Mainstream" sind
von Noam Chomsky - 1997
Ich schreibe unter
anderem deshalb über die Medien, weil ich mich für das intellektuelle
Klima insgesamt interessiere und weil die Medien der Bestandteil dieses
Klimas sind, der am leichtesten zu untersuchen ist. Bei den Medien
gibt es einen täglichen Output, wodurch eine systematische Untersuchung
möglich wird. Man kann die Version von gestern mit der von heute
vergleichen. Es gibt eine Menge Material, anhand dessen man sehen kann,
was die Medien in den Vordergrund rücken, was sie ausblenden und
wie die Struktur dieses Prozesses aussieht.
Meines Erachtens
besteht zwischen der Analyse der Medien und der des Wissenschaftsbetriebs
oder der Intellektuellenzeitschriften kein großer Unterschied
- man muß einige zusätzliche Mechanismen berücksichtigen,
aber davon abgesehen besteht kein radikaler Unterschied. Diese Bereiche
stehen in enger Verbindung miteinander, und deshalb wechseln die Leute
auch ziemlich leicht zwischen ihnen hin und her.
Wenn man die
Medien oder eine beliebige Institution verstehen will, stellt man sich
zunächst
einmal Fragen nach ihrer inneren Struktur. Zweitens wird man sich dafür
interessieren, welche Rolle sie im Rahmen der Gesamtgesellschaft spielen:
In welcher Beziehung stehen sie zu anderen Systemen von Macht und Autorität?
Und schließlich gibt es, wenn man Glück hat, Akten und Aufzeichnungen
führender Leute im Mediensystem, aus denen man erfahren kann,
welche Ziele sie verfolgen. Das ist wichtig, da wir es mit einem ideologischen
System zu tun haben. Ich meine natürlich nicht die üblichen
Public-Relations-Veröffentlichungen, sondern das, was diese Leute
sich gegenseitig über ihre Absichten mitteilen. Und was das betrifft,
gibt es eine Menge interessantes Material.
Das sind drei
wichtige Informationsquellen, wenn wir etwas über die Natur der Medien
erfahren wollen. Wir sollten die Medien auf dieselbe Art untersuchen,
wie ein Naturwissenschaftler ein komplexes Molekül oder einen
sonstigen Gegenstand studieren würde. Dabei sieht man sich die
Struktur der Medien an, um auf dieser Basis eine Hypothese darüber
aufzustellen, wie das Produkt, das die Medien herstellen, wahrscheinlich
aussehen wird. Dann untersucht man den Medienoutput und überprüft,
inwieweit er den aufgestellten Hypothesen entspricht. Medienanalysen
bestehen in der Regel fast ausschließlich aus diesem letzten
Teil - aus dem Versuch, die Produkte der Medien ganz einfach sorgfältig
zu studieren und herauszufinden, ob sie so aussehen, wie es sehr plausible
Annahmen über Wesen und Struktur der Medien voraussagen.
Was finden wir
dabei heraus? Nun, zunächst einmal, daß es natürlich verschiede
Medienbereiche gibt, die sich mit verschiedenen Dingen beschäftigen.
Da gibt es die Unterhaltungsindustrie und Hollywood, Seifenopern und ähnliche
Sendungen, und die überwältigende Mehrheit der Zeitungen
des Landes gehört ebenfalls in diese Kategorie, die für das
Massenpublikum gedacht ist.
Daneben gibt es einen weiteren Mediensektor, nämlich die Elitemedien, die manchmal auch als die trendbestimmenden Medien bezeichnet werden, weil sie über die größten Mittel verfügen und den thematischen Rahmen abstecken, an den alle anderen sich halten müssen. Das sind Unternehmen vom Kaliber der New York Times und von CBS. Sie bedienen zum größten Teil die privilegienen Schichten. Leute, die die New York Times lesen, also Leute mit einem gewissen Einkommen oder Angehörige dessen, was manchmal als die politische Klasse bezeichnet wird, sind tatsächlich auf beständiger Basis am politischen System beteiligt. Sie gehören zur Managerschicht. Dabei kann es sich um Politiker, Wirtschaftsmanager wie die Topleute der Großkonzerne, akademisches Führungspersonal wie Universitätsprofessoren oder auch um Journalisten anderer Medienunternehmen handeln, die sich ebenfalls damit befassen, das Denken und die Weltsicht der Medienkonsumenten zu beeinflussen.
Die Elitemedien
stecken den Rahmen ab, in dem die restlichen Medien operieren. Wenn man
sich
Agenturen wie Associated Press ansieht, die eine permanente Nachrichtenflut
ausstoßen, stellt sich heraus, daß dieser Strom vermischter
Nachrichten jeden Nachmittag durch die Meldung unterbrochen wird: "An
die Redaktionen: auf der Titelseite der New York Times werden morgen
folgende Berichte erscheinen." Wenn man beispielsweise Redakteur
einer Zeitung in Dayton, Ohio ist und nicht über die Ressourcen
verfügt oder sich sowieso nicht die Mühe machen will, selbst
an wichtige Nachrichten heranzukommen, erfährt man auf diesem
Weg, was als "Nachricht" zu gelten hat, Damit wird dann die
Viertelseite gefüllt, die für andere Themen als für
Lokalberichte und Unterhaltung reserviert ist. Diese Berichte werden
dann als Nachrichten von nationaler Bedeutung gebracht, weil die New
York Times uns sagt, daß das die wichtigen Themen des morgigen
Tages sind. Als kleiner Redakteur in Dayton, Ohio hat man kaum eine
andere Wahl, als es so zu machen, weil man nicht über viele andere
Möglichkeiten verfügt, an Nachrichten heranzukommen. Wenn
man vom vorgeschriebenen Weg abweicht und Berichte bringt, die den
Unwillen der großen Zeitungen gen erregen, wird man das ziemlich
bald zu spüren bekommen. Die jüngsten Vorfälle bei den
San Jose Mercury News [vgl. S. 119, Anmerkung - d. Ü.] sind nur
ein besonders dramatisches Beispiel dafür. Es gibt eine Menge
von Machtmechanismen, durch die jemand, der aus der Reibe tanzt, wieder
auf Linie gebracht werden kann. Wenn man versucht, das Regelwerk des
Systems zu sprengen, wird man sich nicht lange darin halten können.
All das funktioniert recht gut, und es ist nicht schwer zu erkennen,
daß sich darin lediglich ganz offenkundige Machtverhältnisse äußern.
Die Massenmedien
im eigentlichen Sinn haben im wesentlichen die Funktion, die Leute
von Wichtigerem fernzuhalten. Sollen die Leute sich mit etwas anderem
beschäftigen, Hauptsache, sie stören uns nicht (wobei "wir" die
Leute sind, die das Heft in der Hand halten). Wenn sie sich zum Beispiel
für den Profisport interessieren, ist das ganz in Ordnung. Wenn
jedermann Sport oder Sexskandale oder die Prominenten und ihre Probleme
unglaublich wichtig findet, ist das okay. Es ist egal, wofür die
Leute sich interessieren, solange es nichts Wichtiges ist. Die wichtigen
Angelegenheiten bleiben den großen Tieren vorbehalten: "Wir" kümmern
uns darum.
Welches sind
die Elitemedien, die die Tagesordnung für den Rest festlegen? Nun,
zum Beispiel solche wie die New York Times und CBS. Das sind zuallererst
einmal große, sehr profitable Kapitalgesellschaften. Darüber
hinaus haben die meisten von ihnen enge Verbindungen zu weit größeren
Konzernen wie General Electric, Westinghouse oder gehören direkt
dazu. Sie mischen ganz oben in der Machtstruktur der Privatwirtschaft
mit, und diese Struktur ist extrem tyrannisch. Die großen Kapitalgesellschaften
sind strukturell gesehen Tyranneien: sie sind hierarchisch und werden
von der Spitze aus kontrolliert. Und wer sich damit nicht abfinden
will, fliegt raus.
Die großen
Medien sind einfach einer der Bestandteile dieses Systems. Welche institutionellen
Strukturen haben die Medien selbst? Nun, mehr oder weniger dieselben
wie andere Unternehmen. Die Institutionen, mit denen die Medien im
Rahmen ihrer Aktivität zu tun haben und mit denen sie in Verbindung
stehen, sind ihrerseits bedeutende Zentren gesellschaftlicher Macht
- die Regierung, die Großunternehmen oder auch die Universitäten.
Aufgrund ihrer ideologischen Funktion unterhalten die Medien enge Beziehungen
zu den Universitäten. Nehmen wir einen Journalisten, der einen
Bericht über Südostasien oder Afrika oder was auch immer
schreibt. Es ist recht wahrscheinlich, daß er sich an eine der
großen Universitäten wenden wird, um sich dort bei einem
Experten kundig zu machen, oder er kann mit seinen Fragen zu einer
der Stiftungen wie dem Brookings Institute oder dem American Enterprise
Institute gehen, und sie werden ihm dann die richtigen Stichworte geben.
Die Funktionsweise solcher Institutionen ist der der Medien sehr ähnlich.
So sind zum Beispiel
die Universitäten keineswegs unabhängige Institutionen. Man
findet in ihnen zwar hier und da unabhängig gesinnte Geister,
aber das gilt auch für die Medien. Solche Leute gibt es im allgemeinen
auch in den Großunternehmen, ja, sogar in faschistischen Staaten.
Aber die Universitäten sind letztlich "parasitäre" Institutionen.
Sie sind auf Finanzierung von außen angewiesen, und die Quellen
dieser Unterstützung - reiche Mäzene, Großunternehmen
und Staat (die beide so eng miteinander verflochten sind, daß man
sie kaum auseinanderhalten kann) - stecken im wesentlichen den Rahmen
ab, innerhalb dessen die Universitäten operieren. Wer sich der
internen Struktur der Universitäten nicht anpaßt, sie nicht
in dem für eine reibungsfreie Arbeit innerhalb des Systems notwendigen
Maß akzeptiert und internalisiert, wird im Verlauf von Erziehung
und Ausbildung mehr und mehr aus dem System hinausgedrängt, ein
Prozeß, der letztlich schon im Kindergarten beginnt und dann
ununterbrochen weitergeht. Es gibt alle möglichen Arten von Filtermechanismen,
um Leute loszuwerden, die sich querstellen und unabhängig denken.
Jeder, der auf dem College war, weiß, wie sehr das Erziehungssystem
auf die Belohnung von Konformität und Gehorsam ausgelegt ist:
Wer sich nicht anpaßt, ist eben ein Quertreiber. Und aufgrund
des Wirkens dieser Filtermechanismen bleiben schließlich Leute übrig,
die in aller Aufrichtigkeit ein System von Überzeugungen und Meinungen übernehmen,
das den Interessen der gesellschaftlich Mächtigen, mit denen sie
zu tun haben, entspricht. Sie brauchen nicht zu lügen, weil sie
selbst daran glauben. Elitein stitutionen wie zum Beispiel Harvard
und Prineeton und die kleinen Colleges mit Universitätscharakter
legen großen Wert auf Sozialisation. In einer Institution wie
Harvard geht es zum größten Teil darum, die richtigen Manieren
zu lernen: wie man sich als Mitglied der Oberschicht zu verhalten hat,
wie man in seinem Denken nicht vom richtigen Weg abweicht und so weiter.
Mitte der vierziger
Jahre schrieb George Orwell als Satire auf einen totalitären Staat,
nämlich die Sowjetunion, seinen Roman Animal Farm, der damals
ein großer Erfolg war. Alle Welt war begeistert. Später
stellte sich heraus, daß er eine Einleitung zu Animal Farm geschrieben
hatte, die aber nicht gedruckt wurde. Sie erschien erst dreißig
Jahre später, als sie in seinem Nachlaß gefunden wurde.
Thema dieser Einleitung war die "Literarische Zensur in England".
Orwell sagt dort, daß er sich in seinem Buch natürlich über
die Sowjetunion und ihre totalitäre Struktur lustig macht. Aber
außerdem schreibt er auch, daß England sich gar nicht so
sehr davon unterscheidet. Im Westen werden wir nicht auf Schritt und
Tritt von einem KGB kontrolliert, aber das Resultat ist doch weitgehend
dasselbe. Wer in seinem Denken zu unabhängig ist oder auf die
falschen Gedanken kommt, bekommt keine Chance, seine Ideen zu verbreiten.
Außerdem macht
er einige kurze Bemerkungen über die institutionelle Struktur
der Medien. Er fragt: Wie kommt es zu dieser Art von Zensur? Ihm zufolge
liegt das erstens daran, daß die Presse den Reichen gehört,
denen es lieber ist, wenn bestimmte Dinge nicht das Licht der Öffentlichkeit
erblicken. Zweitens, so Orwell, lernt man im Rahmen des Erziehungs-
und Ausbildungssystems der Elite, zum Beispiel an renommierten Universitäten
wie der von Oxford, daß es gewisse Dinge gibt, die man besser
nicht erwähnt, daß es gewisse Gedanken gibt, die man besser
nicht zuläßt. Damit meint er die sozialisierende Rolle der
Eliteinstitutionen: Wenn man sich hier nicht anpaßt, hat man
in der Regel schon verloren. Und mit diesen wenigen Bemerkungen ist
das Wesendiche eigentlich schon gesagt.
Wenn man Medienkritik
betreibt und sich zum Beispiel mit dem beschäftigt, was Anthony
Lewis - oder irgend jemand anders - geschrieben hat, werden die jeweiligen
Leute oft sehr wütend. Sie sagen dann ganz richtig: "Niemand
sagt mir jemals, was ich zu schreiben habe. Ich schreibe alles, was
ich will. Dieses ganze Geschwätz über Druck und Einschränkungen
ist Unfug, weil keiner je irgendwelchen Druck auf mich ausübt."Und
das ist völlig richtig, nur daß es hier um etwas ganz anderes
geht, nämlich um die Tatsache, daß sie ihre Position gar
nicht inne hätten, wenn sie nicht vorher schon unter Beweis gestellt
hätten, daß niemand ihnen sagen muß, was sie schreiben
sollen. Es ist längst klar, daß sie das genau wissen. Wenn
sie sich als angehende Reporter für die verkehrte Art von Geschichten
interessiert hätten, hätten sie es nie zu Positionen gebracht,
in denen sie sagen können, was sie wollen. Dasselbe gilt weitgehend
auch für die Universitätsdozenten in den stärker ideologisch
gefärbten Fächern. Sie haben eine erfolgreiche Sozialisation
hinter sich.
Als erstes sieht
man sich also die Struktur des gesamten Systems an. Was erwartet man
angesichts dieser Struktur als Resultat? Das ist eigentlich recht offensichtlich.
Nehmen wir zum Beispiel die New York Times. Die New York Times ist
ein Großunternehmen, das ein Produkt verkauft. Das Produkt sind
die Leser. Das Unternehmen verdient sein Geld nicht mit dem Verkauf
seiner Zeitung. Die Zeitung selbst wird sogar kostenlos ins Internet
gesetzt. Tatsächlich verliert das Unternehmen heim Verkauf der
Zeitung sogar Geld. Wie auch immer, die Leser sind das Produkt, und
sie gehören genau wie die Leute, die die Zeitung machen, zu den
höheren, privilegierten Schichten, denen, die in unserer Gesellschaft
die Entscheidungen treffen. Für ein Produkt braucht man einen
Markt, und dieser Markt sind natürlich die Werbekunden der Zeitung,
mit anderen Worten, andere Wirtschaftsunternehmen. Das Produkt der
Medien, ganz gleich, ob wir vom Fernsehen, den Zeitungen oder anderen
Medien sprechen, ist immer das jeweilige Publikum. Unternehmen verkaufen
ihr jeweiliges Publikum an andere Unternehmen. Und im Fall der Elitemedien
handelt es sich dabei um Großunternehmen.
Mit was für
einem Resultat ist also zu rechnen? Wie wird das Medienprodukt angesichts
dieser Umstände aussehen? Was für Voraussagen würde
man machen, wenn man den bisher zugrunde gelegten Annahmen keine weiteren
hinzufügt, oder anders gesagt, was wäre eine vernünftige
Nullhypothese? Die nächstliegende Vermutung wäre dann, daß das
Medienprodukt, das heißt, die Auswahl dessen, was in den Medien
vorkommt und wie es vorkommt, die Interessen der Käufer und der
Verkäufer des Produkts sowie der Institutionen und Machtzentren,
unter deren Einfluß sie stehen, widerspiegelt. Es würde
an ein Wunder grenzen, wenn das nicht der Fall wäre.
Danach kommt
dann der aufwendige Teil der Arbeit. Stellen sich die gemachten Vorhersagen
als richtig heraus? Das läßt sich mittlerweile überprüfen.
Es liegt inzwischen eine Menge an Material zur Beurteilung der genannten
naheliegenden Hypothese vor; sie ist den rigorosesten Tests unterzogen
worden, die man sich denken kann, und hat sie in bemerkenswerter Weise
bestanden. Man stößt in den Sozialwissenschaften fast nie
auf Resultate, die eine bestimmte Vermutung derart stark unterstützen,
aber das ist auch nicht sehr überraschend, da alles andere angesichts
der in diesem Fall wirksamen Kräfte einem Wunder gleichkäme.
Als nächstes
entdeckt man dann, daß das gesamte Thema vollkommen tabu ist.
Wenn man zum Beispiel an der Kennedy School für Staatswissenschaft
oder in Stanford Journalismus, Kommunikationswissenschaft oder Politik
studiert, ist es kaum wahrscheinlich, daß man mit diesen Fragen
konfrontiert wird. Das heißt, genau die Hypothese, auf die jeder,
ohne überhaupt etwas über das Thema zu wissen, von sich aus
kommen würde, kann dort nicht einmal in Erwägung gezogen
werden, und es ist unmäglich, das Beweismaterial, das für
sie spricht, zu diskutieren. Leider ist auch das genau das, was man
erwarten würde. Angesichts der Struktur dieser Institutionen ist
leicht vorherzusehen, daß es so laufen wird. Warum sollte es
Leuten, die aktiver Bestandteil dieser Strukturen sind, gefallen, wenn
ihre Rolle innerhalb dieser Strukturen sichtbar gemacht wird? Warum
sollten sie eine kritische Analyse ihrer Vorstellungen und Ziele dulden?
Es gibt keinen Grund, warum sie etwas derartiges zulassen sollten,
und sie tun es auch nicht. Auch in diesem Fall handelt es sich nicht
um absichtliche Zensur, sondern darum, daß diese Leute gar nicht
erst in ihre Positionen gelangen würden, wenn sie nicht von dem überzeugt
wären, was sie tun. Und das gilt für die sogenannte Linke
ebenso wie für die Rechte. Um es in diesem System zu etwas bringen
zu können, muß man die richtige Sozialisation und Erziehung
genossen haben, die dann falschen Gedanken und Ideen einen Riegel vorschieben.
Wir können folglich aufgrund unserer Überlegungen eine zweite
Prognose aufstellen, nämlich die, daß unsere erste Prognose
innerhalb der bestehenden ideologischen Institutionen nicht diskutiert
werden kann.
Schließlich
müssen wir uns noch das doktrinäre Rüstzeug ansehen,
mit dem die für das Funktionieren dieses Systems Verantwortlichen
operieren. Kommt in dem, was die Topmanager des Informationssystems
(der Medien, der Werbeindustrie, der politischen Wissenschaft usw.)
sagen, wenn sie zu ihresgleichen sprechen, eine Vorstellung darüber
zum Ausdruck, wie das System funktionieren sollte? In der Öffentlichkeit,
bei akademischen Feiern und dergleichen mehr ist natürlich immer
von allen möglichen wunderbaren Dingen die Rede. Aber was sagen
diese Leute über die Aufgaben des Informationssystems, wenn sie
unter sich sind?
Es gibt hier
drei wichtige Bestandteile des Systems, die man sich ansehen sollte. Erstens
haben wir die Public-Relations- Industrie, das heißt, die Propagandamaschine
der Geschäftswelt. Was sagen also die Topmanager der PR-Industrie?
Zweitens sollten wir uns ansehen, was die sogenannten "in der
Offentlichkeit stehenden" Intellektuellen, die großen Denker,
die Verfasser der Meinungsseiten in den Zeitungen sagen - all die Leute,
die hochbedeutende Bücher über das Wesen der Demokratie und ähnliches
mehr schreiben? Als Drittes sollte man den akademischen Bereich untersuchen,
besonders diejenigen Aspekte der Kommunikations- und Informationswissenschaften,
die schon seit etwa 70 bis 80 Jahren integraler Bestandteil der Politikwissenschaft
sind.
Das sind also
drei Bereiche, in denen man einmal darauf achten sollte, was ihre Vertreter
so von sich geben und sich ansehen kann, was die führenden Leute
geschrieben haben. Wie sich herausstellt, sagen die wichtigen Leute
in diesen Bereichen alle im wesentlichen das gleiche (ich zitiere im
folgenden zum Teil wörtlichlich): Bei der Masse der Bevölkerung
handelt es sich nur um "unwissende und lästige Außenseiter",
die man aus der öffentlichen Arena heraus halten muß, weil
sie zu dumm sind und nur Schwirigkeiten machen würden, wenn sie
sich daran beteiligten. Die gewöhnlichen Leute sollen "Zuschauer" nicht "Teilnehmer" sein.
Sie dürfen alle
paar Jahre wählen gehen und ihre Stimme für jemanden von
uns, jemanden aus der dafür qualifizierten Schicht abgeben. Aber
dann sollen sie wieder nach Hause gehen und sich mit etwas anderem
beschäftigen. Mit der Baseball-Liga oder was auch immer. Hauptsache,
die "unwissenden und lästigen Außenseiter" bleiben
passive Beobachter, statt selbst am politischen Geschehen teilzunehmen.
Die Mitspieler im System dagegen sind sogenannte "Verantwortungsträger" und
auch der jeweilige Autor gehört natürlich immer zu dieser
Gruppe. Die Frage, weshalb er selbst zu den "Verantwoitungsträgern" gehört,
während ein anderer im Gefängnis sitzt, kommt ihm nicht in
den Sinn. Dabei ist die Antwort ziemlich einfach. Er gehört dazu,
weil er gehorsam ist und sich der Macht unterordnet, während derjenige
im Gefdngnis sich vermutlich auf die ein oder andere Art geweigert
hat, sich zu fügen. Aber solche Fragen stellt man sich in so einer
Position natürlich nicht. Also haben wir einerseits die qualifizierte
Schicht derer, die dazu berufen sind, das Heft in der Hand zu halten,
und dann noch den Rest, der von der Verwaltung der Dinge ausgeschlossen
ist. Außerdem sollten wir uns nicht - und jetzt zitiere ich wieder
aus einem akademischen Essay zu diesem Thema - auf das "demokratische
Dogma" versteifen, "nach dem die Menschen ihre Interessen
selbst am besten beurteilen können". Dem ist keineswegs so:
in Wirklichkeit sind sie absolut unfähig dazu, und daher erweisen
wir sowohl ihnen als auch der Gesellschaft einen großen Dienst,
wenn wir das für sie übernehmen.
Tatsächlich
gibt es hier eine starke Ähnlichkeit mit dem Leninismus. Wir handeln
an deiner Stelle, im gemeinsamen Interesse aller usw. Das ist vermutlich
auch einer der Gründe dafür, weshalb sich im Verlauf der
Geschichte viele Leute relativ problemlos aus glühenden Stalinisten
in überzeugte Unterstützer des Machtanspruchs der USA verwandelt
haben. Dabei erfolgt der Wechsel von der einen Position zur anderen
oft sehr rasch, und ich denke, daß das ganz einfach daran liegt,
das beide Positionen im großen und ganzen auf dasselbe hinauslaufen.
Eigentlich verändert sich nur die Einschätzung darüber,
welche Haltung einen der Teilhabe an der Macht näherbringt. Erst
setzt man auf das eine, dann auf das andere Pferd, aber das Ziel, das
man selbst damit anstrebt, ändert sich nicht.
Wie hat sich
diese Art von Ideen zu ihrer heutigen Form entwickelt? Das ist eine interessante
Geschichte - sie hat viel mit dem Ersten Weltkrieg zu tun, der in vielerlei
Hinsicht zu einschneidenden Veränderungen führte. Er brachte
einen beträchtlichen Wandel in der Position der Vereinigten Staaten
in der Welt mit sich. Schon im 18. Jahrhundert waren die USA die reichste
Region der Welt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts kam nicht einmal die
britische Oberschicht an den US-amerikanischen Standard hinsichtlich
Lebensqualität, Gesundheit und Lebenserwartung heran (von dem
die übrige Welt ohnehin nur träumen konnte). Die USA waren
enorm reich, verfügten über gewaltige Vorteile und waren
schon Ende des 19. Jahrhunderts mit großem Abstand das wirtschaftlich
bedeutendste Land der Welt. Aber als Weltmacht spielten sie noch keine
große Rolle. Ihre Macht erstreckte sich damals auf die Karibik
und Teile des Pazifik, aber nicht viel weiter.
Der Erste Weltkrieg
brachte eine Veränderung dieser Beziehungen. Und im Zweiten Weltkrieg änderten
sie sich noch mehr. Danach waren die Vereinigten Staaten mehr oder
weniger Herrscher über die gesamte Welt. Aber schon nach dem Ersten
Weltkrieg waren sie weitaus mächtiger als zuvor und verwandelten
sich aus einem Schuldner- in ein Gläubigerland. An Großbritannien
kamen sie noch nicht heran, aber damals begannen sie, weltweit eine
wichtige Rolle zu spielen. Aber das war nicht die einzige Veränderung.
Im Ersten Weltkrieg
gab es zum erstenmal eine hochorganisierte staatliche Propaganda. Die
Briten richteten ein Informationsministerium ein. Das war auch eine
dringliche Notwendigkeit, denn Großbritannien war darauf angewiesen,
die USA in den Krieg hineinzuziehen, da es ohne den Kriegseintritt
der USA in große Schwierigkeiten geraten wäre. Das Informationsministerium
beschäftigte sich hauptsächlich mit der Verbreitung von Propaganda,
nicht zuletzt mit der Fabrikation einer Flut von Fälschungen über
Greueltaten der "Hunnen" und ähnlichen Projekten. Eine
der Hauptzielscheiben dieser Propaganda waren die amerikanischen Intellektuellen.
Dem lag die durchaus vernünftige Annahme zugrunde, diese würden
am leichtgläubigsten sein und am ehesten auf die Propaganda hereinfallen.
Ihnen war zugleich die Aufgabe zugedacht, die Propaganda über
die ihnen in Amerika zur Verfügung stehenden Kanäle weiterzuverbreiten.
Dementsprechend war die Arbeit des Informationsministeriums hauptsächlich
auf die amerikanischen Intellektuellen abgestimmt, und diese Strategie
funktionierte ausgezeichnet. Ein Großteil der Dokumente des Ministeriums
ist inzwischen öffentlich zugänglich, und die Dokumente zeigen,
daß diese Kampagne das bescheidene Ziel verfolgte, das Denken
der ganzen Welt zu kontrollieren - vor allem aber das der USA. Was
man in Indien dachte, spielte demgegenüber natürlich keine
sonderlich große Rolle. Das Informationsministerium war sehr
erfolgreich darin, prominente amerikanische Intellektuelle hinters
Licht zu führen und dazu zu bringen, die Fälschungen der
britischen Propaganda zu akzeptieren. Die Briten waren damals sehr
stolz auf diesen Erfolg, und das nicht von ungefähr, denn so konnten
sie eine Niederlage Großbritanniens abwenden, das den Ersten
Weltkrieg ohne den Kriegseintritt der USA verloren hätte.
Zur selben Zeit
wurde in den USA ein Gegenstück zum britischen Informationsministerium
geschaffen. 1916 wurde Woodrow Wilson auf der Grundlage eines Anti-Kriegs-Programms
zum Präsidenten gewählt. Die Stimmung in den USA war sehr
pazifistisch. Das hat in den USA eine lange Tradition. Die Leute wollen
keine Kriege in anderen Ländern führen. Der Eintritt der
USA in den Ersten Weltkrieg wurde heftig abgelehnt, und Wilson wurde
aufgrund seiner Stellungnahme gegen den Krieg gewählt. Er war
mit dem Slogan "Frieden ohne Sieg" zur Wahl angetreten. Aber
er strebte von Anfang an eine Beteiligung am Krieg an. Daraus ergab
sich das Problem, eine pazifistisch gestimmte Bevölkerung in lauter
verrückte antideutsche Fanatiker zu verwandeln, die am liebsten
alle Deutschen umgebracht hätten. So etwas geht nicht ohne Propaganda,
und so gründete die Regierung die erste - und im übrigen
auch einzige - große staatliche Propagandainstitution der US-Geschichte.
Sie hieß offiziell "Komitee zur Information der Öffentlichkeit" und
wurde auch die "Creel-Kammission" genannt. Ihre Aufgabe bestand
darin, durch die Verbreitung von Propaganda eine hurrapatriotische
Hysterie in der Bevölkerung auszulösen. Das Ganze war ein
unglaublicher Erfolg. Binnen weniger Monate herrschte eine hemmungslose
Kriegshysterie, und dem Kriegseintritt der USA stand kein Hindernis
mehr entgegen.
Von dieser Leistung
waren viele Leute höchst beeindruckt. Einer davon war Hitler,
was später seine Folgen haben sollte. In Mein Kampf zieht er den
nicht ganz unberechtigten Schluß, Deutschland sei im Ersten Weltkrieg
besiegt worden, weil es den Propagandakrieg verloren habe. Deutschland
konnte mit der britischen und amerikanischen Propaganda, die sich als
vollkommen übermächtig erwies, nicht einmal ansatzweise mithalten.
Hitler kündigte an, beim nächsten Mal werde Deutschland seine
eigene Propagandamaschinerie haben, und so war es im Zweiten Weltkrieg
dann auch. Für uns heute von noch größerer Bedeutung
ist der tiefe Eindruck, den diese britische Propagandaanstrengung auf
die amerikanische Geschäftswelt machte, die damals vor einigen
Problemen stand: Es gab zumindest formal mehr demokratische Rechte
als früher, der Kreis der Wahlberechtigten war erweitert worden,
das Land wurde reicher, mehr Menschen hatten die Möglichkeit,
am System teilzunehmen, es gab viele neue Einwanderer und so weiter.
Was sollten die
herrschenden Schichten angesichts dieser Entwicklungen tun? Es war nun
schwieriger,
das Land wie einen Privatklub zu verwalten, Es war jetzt viel wichtiger
als früher, zu kontrollieren, was die Leute denken. Public-Relations-Spezialisten
hatte es zwar schon hier und da gegeben, aber die PR-Industrie, wie
wir sie kennen, gab es noch nicht. Unternehmen wie Rockefeller stellten
vielleicht Leute ein, um das Image der Firma aufzupolieren, aber die
riesenhafte moderne PR-Industrie in ihren gigantischen heutigen Dimensionen
wurde erst damals in den USA erfunden und war ein direktes Resultat
des Ersten Weltkriegs. Führend in der PR-Industrie waren Leute,
die sich schon an der Creel-Kommission beteiligt hatten. Die bedeutendste
dieser Figuren, Edward Bernays, stützte sich in seiner Tätigkeit
direkt auf die Erfahrungen aus der Creel- Kommission. Nach dem Ersten
Weltkrieg schrieb er ein Buch mit dem Titel Propaganda. Der Ausdruck "Propaganda" hatte
damals übrigens noch keinen negativen Beigeschmack. Er wurde erst
im Zweiten Weltkrieg zum Tabu, da er mit Deutschland und somit dem
Feind in Verbindung gebracht wurde. Aber davor bedeutete "Propaganda" nichts
weiter als so etwas wie "Information". 1925 kam also Bernays'
Buch Propaganda heraus, und gleich zu Anfang heißt es dort, das
Buch mache sich die Lehren des Ersten Weltkriegs zunutze. Bernays schrieb,
das Propagandasystem des Ersten Weltkriegs und die Creel-Koonmission,
an der er beteiligt gewesen war, hätten gezeigt, daß man "das
Denken der Öffentlichkeit ganz genauso dirigieren" kann "wie
eine Armee die Körper ihrer Männer dirigiert". Diese
neuen Techniken der Reglementierung des Geistes sollten, wie er schrieb,
von intelligenten Minderheiten genutzt werden, um dafür zu sorgen,
daß der Pöbel nicht auf falsche Gedanken kommt. Mittels
der neuen Techniken der Gedankenkontrolle sei dies jetzt ohne weiteres
möglich.
Dieses
Buch ist das grundlegende Werk der Public-Relations-Industrie, und
Bernays ist
so etwas wie ihr Prophet. Er war ein authentischer Liberaler im Stil
Roosevelts oder der Kennedys. Er koordinierte unter anderem die PR-Anstrengungen
zugunsten des von den USA unterstützten Putsches, durch den 1954
die demokratisch gewählte Regierung Guatemalas gestürzt wurde.
Der große Coup,
durch den er Ende der zwanziger Jahre wirklich berühmt wurde,
war es, Frauen das Rauchen schmackhaft zu machen. Frauen rauchten damals
im allgemeinen nicht, und Bernays dirigierte die große Werbekampagnen
für Chesterfield Zigaretten. Die Methoden sind ja bekannt - Models
und Filmstars mit Zigarette im Mund usw. Dafür heimste er enornies
Lob ein. Er stieg zur führenden Figur der PR-Industrie auf, und
sein Buch wurde gewissermaßen zur Bibel der Branche.
Ein weiteres
Mitglied der Creel-Kommission war Walter Lipp- mann, der ein halbes Jahrhundert
lang die angesehenste Figur des anspruchsvollen amerikanischen Journalismus
war. Neben seiner journalistischen Tätigkeit schrieb er Essays über
die Demokratie, die zumindest damals, in den zwanziger Jahren, als "progressiv" galten.
In diesen Essays sprach auch er sich explizit dafür aus, die Erfahrungen
anzuwenden, die mit Propaganda gesammelt worden waren. Er sagte, die
Demokratie habe eine neue Kunst hervorgebracht, die er selbst die "Fabrikation
von Konsens" nannte. Edward Herman und ich haben diesen Ausdruck
für den Titel unseres Buches geborgt, aber geprägt wurde
er von Lippmann. Ihm zufolge gibt es jetzt diese neue Kunst demokratischen
Regierens, nämlich die "Fabrikation von Konsens". Durch
die Fabrikation von Konsens kann man die Tatsache neutralisieren, daß viele
Menschen ein formales Wahlrecht genießen. Die politischen Führer
können letzterem jede Bedeutung nehmen, da sie ja in der Lage
sind, Konsens zu fabrizieren und so die Wahlmöglichkeiten und
Einstellungen der Menschen derart zu beschränken, daß sie
letztlich immer nur gehorsam tun werden, was man ihnen sagt, obwohl
sie formal, z. B. über die Wahlen, selbst am System teilhaben.
So sieht laut Lippmann eine echte Demokratie aus, die funktioniert,
wie es sich gehört. Das ist die Lehre, die er aus den bisherigen
Erfahrungen mit Propaganda zieht.
Auf dieselben
Erfahrungen stützt sich auch die akademische Sozial- und Politikwissenschaft.
Der Begründer der kommunikationstheoretisch orientierten Politikwissenschaft
war Harold Lasswell. Sein wichtigstes Werk ist eine Studie über
Propaganda in der Encyclopedia of Social Sciences. Darin sagt er ganz
offen genau die Dinge, die ich vorhin zitiert habe, wie zum Beispiel,
daß man sich nicht auf demokratische Dogmen versteifen dürfe.
Postulate wie diese entstammen der akademischen Politikwissenschaft,
wie sie von Lasswell und anderen konzipiert wurde. Auch in dieser Hinsicht
wurden die Lehren aus den Erfahrungen der Kriegszeit gezogen, und zwar
nicht nur in der politischen Wissenschaft, sondern auch von den politischen
Parteien, besonders der Konservativen Partei in England. Deren Dokumente
aus dieser Zeit, die derzeit gerade veröffentlicht werden, zeigen,
daß die Konservativen die Leistung des britischen Informationsministenums
sehr zu schätzen wußten. Ihnen war klar, daß England
sich auf eine Demokratie zubewegte und nicht mehr wie früher ein
Klub von Privatleuten sein würde. Daraus zogen sie den Schluß,
daß Politik zur - wie sie es ausdrückten - politischen Kriegführung
werden müsse, bei der man die Propagandamechanismen anwenden sollte,
die schon im Ersten Weltkrieg so gute Dienste bei der Kontrolle des
Denkens der Bevölkerung geleistet hatten.
Das ist die ideologische
Seite der Sache, über die wir hier sprechen, und sie weist in
dieselbe Richtung wie die institutionelle Struktur. Sie stützt
unsere bisherigen Voraussagen darüber, wie das Ganze funktionieren
sollte. Und die Korrektkeit dieser Vorhersagen ist gut dokumentiert.
Aber auch die ideologischen Grundlagen unseres Informationssystems
dürfen nicht diskutiert werden. Das alles taucht zwar in der Standardliteratur
zum Thema auf, ist aber nur für die Insider bestimmt. Die klassischen
Werke darüber, wie man das Denken der Menschen kontrolliert, stehen
auf dem College nicht auf dem Lehrplan.
Genauso wenig,
wie auf dem Lehrplan steht, was James Madison während der verfassunggebenden
Versammlung schrieb, nämlich, daß das neue System zum Hauptziel
haben müsse, "die Minderheit der Begüterten gegen die
Mehrheit zu schützen", und daher so gestaltet werden müsse,
daß es dieses Ziel erreichen kann. Hier geht es um die Grundlagen
des verfassungsmäßigen Systems, und niemand setzt sich damit
auseinander. Man findet diese Äußerungen nicht einmal in
der wissenschaftlichen Literatur, wenn man nicht wirklich intensiv
danach sucht.
Das ist im großen
und ganzen das Bild, das ich von der institutionellen Struktur unseres "freien" Mediensystems,
von den dahinterstehenden Doktrinen und seinem Endprodukt habe. Ein
weiterer Teil des Systems richtet sich an die "unwissenden, lästigen" Außenseiter.
Dabei geht es hauptsächlich darum, auf die ein oder andere Art
von den wirklich wichtigen Themen abzulenken. Von daher läßt
sich leicht vorhersagen, was das wahrscheinliche Ergebnis ist.
Quelle: Trotzdem Verlag - "Die politische Ökonomie der Menschenrechte"

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